7. Sept. 2026 (09:10)

No News is Good News

Tatsächlich kann man den Nachrichtensendungen der ganzen Welt vorwerfen, dass sie sich auf schlechte Neuigkeiten und Katatrophenmeldungen spezialisiert haben. Je größer die Katrastrophe, desto größer die Reichweite. Umgekehr berichtet allenfalls der Regionalsender über gelungene Projekte und Erfolge.

Heute haben es die Wahlen in Sachsen-Anhalt in die Nachrichten von ABC News geschafft: AfD gewinnt Landtagswahl . Wohlgemerkt, ABC ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Australies. Dabei sollte man bedennken, dass Australien auf der anderen Seite des Globus liegt und man sich dort normalerweise nicht so sehr dafür interssiert was in Deutschland passiert. Neben Themen die Australien direkt betreffen dominieren Überschriften aus den USA die Nachrichten, die Politik der deutschen Bundesländer kommen dort eigentlich nicht vor.

Um von deutscher Länderpolitik in die Top-News Australiens zu kommen braucht es schon eine Katastrophe, wie den Wahlerfolg einer „far-right Party“ die Russlandfreundlich und Migrantenfeindlich gesinnt ist. Mir wäre es lieb, wenn die Ausrtralier:innen keine Nachrichten dieser Art mehr lesen müssten.

gERD Schaufelberger

2. Sept. 2026 (15:26)

Geht der Rechtsruck weiter?

Am kommenden Sonntag (6. September 2026) sind Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, und den Umfragen zufolge wird wohl die AfD stärkste Kraft werden, wenn sie nicht sogar die absolute Mehrheit erlangt. Obwohl ich nicht hoffe, dass es so kommt, glaube ich nicht an Wunder. Auch die jüngsten Sabotageanschläge auf die Umspannwerke in Bergheim (NRW) und Jänschwalde (Brandenburg) geben der AfD weiteren Auftrieb.

Dabei wissen doch alle, dass die AfD Sachsen-Anhalt eine rechtsextreme Partei ist. Ihre Politik ist menschen-, demokratie- und umweltfeindlich und darüber hinaus schlecht für die Wirtschaft – die Wahlversprechen kommen aber gut an. Sicher ist aber, dass sich mit einer Familienpolitik aus Vorkriegszeiten die Abwanderung gut ausgebildeter junger Frauen aus Sachsen-Anhalt nicht stoppen lässt. Dass Asylanten, Flüchtlinge und Ausländer von der AfD nur als Sündenböcke missbraucht werden und im Gegenteil wesentlich zum Wohlstand in Deutschland beitragen. Dass Kultur und Menschen mit Vielfalt besser gedeihen als mit nationalistischen Bestimmungen. Dass Bildung nur dann Bildung ist, wenn sie ermutigt, über den Tellerrand zu blicken. Dass Milizen in der Vergangenheit ein Grund für das Gewaltmonopol des Staates waren. Dass Wissenschaft international ist und ständig „das haben wir schon immer so gemacht“ über den Haufen wirft (das nennt man Entwicklung). Dass innere Sicherheit nicht durch mehr Waffen (Taser) und härtere Strafen erhöht wird. Dass der Klimawandel menschengemacht ist, auch wenn die AfD das leugnet. Dass fossile (oder atomare) Energie viel teurer ist als erneuerbare Energien. Dass sich Photovoltaik- und Windparks besser ins Landschaftsbild integrieren als Braunkohlebergbau und (Atom-)Kraftwerke.

Aber ich denke auch, dass ich mir keine große Hoffnung machen darf und wir damit rechnen müssen, dass die AfD den Landtag in Sachsen-Anhalt übernimmt und ganz weit nach rechts rückt. Ich frage mich nur, ob wir es danach schaffen, wieder nach links zu rücken.

gERD Schaufelberger

14. Aug. 2026 (16:38)

Haushaltsloch

Deutschland ist weit entfernt von einem ausgeglichenem Haushalt: die Ausgaben sind Jahr für Jahr größer als die Einnahmen und so wird der Schuldenberg immer größer. Aber muss das so sein? Gibt es denn keine Ideen wie man Geld sparen oder mehr einnehmen kann?

Doch, die gibt es! Die Webseite Haushaltsloch.de ist ein Simulator für den Bundeshaushalt. Hier kann man die einzelnen Reformvorschläge durchgehen und der Simulator berechnet wie sich die Reformen auf den Bundeshaushalt auswirken. Beispielsweise würden wir € 5 Mrd sparen, wenn der Neubau von Autobahnen gestoppt wird. Auf der anderen Seite würde es uns € 3 Mrd mehr kosten den Sozialen Wohnungsbau stärker zu fördern. Auf der Einnahmenseite würden wir € 9,3 Mrd verlieren wenn wir die MwSt für pflanzliche Nahrungsmittel von 7% auf 0% senken würden. Dafür würde eine Vermögensteuer für Milliardäre € 30 Mrd bringen und mehr Steuerfander würden weitere € 15 Mrd in die Kassen spülen.

Mag sein, dass die Simulation ihre Schwächen hat, aber man muss ihr lassen, dass sie zeigt wie es gehen kann. Dabei muss man noch nicht mal selbst nachdenken (das wäre ja anstrengend), es genügt die Liste der Reformvorschläge durchzugehen und die guten anzukreuzen. Das geht schnell und macht Spass. So habe ich mir in zehn Minuten einen Haushalt zusammengeklickt der € 10 Mrd Schulden tilgt und einen Überschuss von € 36 Mrd erwirtschaftet. Damit könnten wir noch mehr Schulden tilgen oder der Bund könnte jedem Einwohner € 400,- überweisen.

gERD Schaufelberger

11. Aug. 2026 (15:53)

Gratis müssen gehen

Dieses Jahr haben wir unseren Sommerurlaub in England verbracht - schön, wie es sich gehört mit Sight-Seeing, Strand und Ausflüge in die Natur. Was uns dabei unter anderem auffiel war, dass es auch in England Toiletten gibt. Öffentliche Toiletten meine ich.

Das wäre an sich nicht erwähnenswert, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass es bei uns zu wenig öffentliche Toiletten gibt, diese oft nicht sauber sind, aus ungemütlichen randalesicherem Edelstahl bestehen und man bezahlen muss. (Vielleicht ist das aber auch nur die verzerrte Wahrnehmung eines alten Mannes.) In England scheint das anders zu sein. Hier gibt es öffentliche Toiletten am Strand, in der Stadt, im Dorf, am Park und irgendwie immer dort wo sie gebraucht werden. Diese sind in der Regel kostenlos und gepflegt, so dass man hier gerne müssen geht.

Von diesem kostenlosen Service sollten sich deutsche Kommunen einen Scheibe abschneiden (finde ich). Natürlich würden wir diese gratis Toiletten indirekt über Steuern wieder bezahlen müssen, aber es würde unser Land für alle ein wenig lebenswerter machen und niemand müsste sich etwas verkneifen nur weil gerade kein Euro zu Hand ist oder die gesammelten Flaschen erst in Bargeld getauscht werden müssen.

gERD Schaufelberger

11. Juli 2026 (07:29)

Silbermünzen - das Gold für Arme

Im Herbst 2015 habe ich ein paar Silbermünzen gekauft und mich nicht mehr darum gekümmert. Zehn Jahre später musste ich feststellen, dass dies eines meiner besten Investments ist. Aber der Reihe nach:

Die Idee Gold als Geldanlage zu nutzen ist weder neu noch von mir. Viele nutzen Gold um ihr Vermögen vor der Inflation zu schützen und gerade in Krisenzeiten fliehen einige Anleger von der heimischen Währung (der sie nicht mehr trauen) in Gold. Der steigende Goldpreis (vor allem seit dem Ende das Bretton-Woods-Systems ) gibt dem recht und geht sogar deutlich über die Inflationsrate hinaus. In Gold zu investieren hat sich also bisher gelohnt. Der Preis für eine Feinunze Gold betrug im Januar 2016 € 1000,14 (Silber € 12,93), im Dezember 2025 muss man € 3662,35 für 1oz Gold bezahlen (Silber € 52,77).

Das „Problem“ mit dem Gold ist aber der hohe Preis, der natürlich gerade für Kleinanleger - meine Wenigkeit - abschreckend ist. € 1000,- für 1oz Gold auf den Tisch zu legen ist schon ein ganz schöner Batzen. Viel angehmer ist es doch, mit einem monatlichen Sparplan von € 50,- oder € 100,- anzufangen - das tut nicht weh und läuft nebenbei mit. Will man aber physisches Gold kaufen - also Barren oder Münzen - gibt es immer einen Mengenrabatt. Logisch, denn die Herstellung eines kleinen 1g Goldbarren ist genauso aufwendig wie die eines großen 1kg Barrens. Bei Münzen kommt zudem noch der Aufpreis für die Prägung dazu. Als Anleger muss man sich also entscheiden viel Geld für „günstige“ große Barren auszugeben oder wenig Geld für „teure“ kleine Münzen.

Aber, es gibt auch vom Gold abgeleitete Produkte. Diese „lösen“ viele dieser Problem und haben noch einen weiteren Vorteil: man kann Gold kaufen, ohne die Barren zu Hause unter dem Kopfkissen stapeln zu müssen. Nur kauft man statt echtem Gold beispielsweise ein Zertifikat . Das ist wiederum ist „nur“ eine Schuldverschreibung, sprich der Emittend (die Bank) schuldet einem - angelehnt an den Kurswert des Goldes - Geld. Das ist praktisch, weil sich Zertifikate leichter handeln lassen als Goldbarren, verfehlt aber das Ziel der Krisensicherheit: Geht der Emittend pleite, ist das Zertifikat wertlos, der Goldbarren liegt immer noch unter dem Kopfkissen.

Gerade die Krisensicherheit von Gold empfand ich aber besonders attraktiv: Wenn das System zusammenbricht , Bankkarten nicht mehr funktionieren und niemand mehr Euros oder Dollars haben will, hat Gold wahrscheinlich immer noch seinen Wert. Dann sind kleine Münzen natürlich viel praktischer als große Barren und Silber praktischer als Gold: So kann man mit einer 1oz Silbermünze wahrscheinlich ein Mittagessen im Restaurant bezahlen. Mit einer 1oz Goldmünze, die (zur Zeit) rund 75mal so viel wert ist, wird das aber kompliziert. Mit diesen Überlegungen begann ich mich für Silbermünzen zu interessieren.

Zu dieser Zeit erreichten uns ständig Hiobsbotschaften aus Griechenland : das hochverschuldete Land limitierte Überweisungen ins Ausland und das Abheben von Bargeld. Während die Griechen zu extremen Einsparungen gezwungen wurden, befürchtete der Rest der Eurozone mit in die Schuldekrise gezogen zu werden - zumal die anderen Länder auch mit Schulden und Problemen in der Wirtschaft zu kämpfen hatten.

Also legte ich mir meinen eigenen kurzfristigen Sparplan zurecht: Ich entschied mich dafür Anlagemünzen zu kaufen, genauer gesagt die canadische Maple Leaf - eine weltweit bekannte und günstigste Münze. Also ging ich hin und wieder nach der Arbeit beim lokalen Münzhändler vorbei und kaufte ein paar Maple Leaf. Dabei musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige war. Offensichtlich gibt es in unserer Stadt einige Menschen, die keine Sammlermünzen sondern Anlagemünzen und Barren kaufen - und das in größeren Mengen! Ich - als Kleinanlager - begnügte mich mir der absoluten Standardmünze: 1oz Silber für unter € 20,- pro Stück. Viele habe ich davon nicht gekauft, aber genug um damit ein paar warme Mahlzeiten zu finanzieren, wenn es sein muss.

Viele Freunde, denen ich damals davon erzählt habe, haben mich belächelt und hielten mich für wenigsten ein kleines bisschen paranoid. Heute würden sie das vielleicht immer noch tun. Denn ganz ehrlich gesagt liegen die Münzen einfach nur herum, sind schwer und nehmen Platz weg. Der Euro ist immer noch eine harte Währung und überall kann man bargeldlos bezahlen.

Betrachtet man die Silbermünzen aber als Investment, sind sie seit dem Kauf stark gestiegen. Eine Münze, die ich vor zehn Jahren für € 20,- gekauft habe, kann ich heute für € 55,- verkaufen. (Will man eine Münze kaufen, muss man € 63,- ausgeben.) Das entspricht einer jählichen Verzinsung von gut 10%. Das ist viel besser als das Tagesgeldkonto, das Festegeld (bei einer Bank) oder irgendeine Kapitallebensversicherung (kapitalgedeckte Rentenversicherung). Es ist sogar ein wenig besser als der MSCI-World Index (9,5%) und damit ist es eines meiner besten Investments, die ich je getätigt habe. Das dumme daran ist nur, dass mir das bei der handvoll Münzen in meinem Besitz auch nur ein paar hundert Euro einbringt :-)

gERD Schaufelberger


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