Milliardenhilfe gegen Pleite

2. Apr. 2017 (14:16) | gERD Schaufelberger

DSME Werft

Die Daewoo Werft gehört (mit Hyundai Heavy Industries und Samsung Heavy Industries) zu den größten Unternehmen in der Branche. Dennoch steht dieser Riese nicht auf sicheren Beinen. Zum wiederholten Male steht Daewoo vor großen Liquiditätsproblemen. Diesmal konnte die Pleite nur durch eine weitere Finanzspritze in Höhe von (umgerechnet) € 2,4 Mrd abgewendet werden. Ohne das Geld wäre Daewoo wohl bereits im April nicht mehr in der Lage gewesen Kredite zurückzuzahlen und somit Insolvent.

Das ist ja gerade nochmal gut gegangen, könnte man meinen. Schließlich beschäftigt Daewoo 50000 Menschen und bei einer Pleite wären auch rund 1300 Zulieferer in Bedrängnis gekommen. Aber bei all dem Unglück das eine Pleite verursachen würde, hat die Rettung doch einen bitteren Beigeschmack, wie ich finde. So wir das neue Geld sicher nichts an den Ursachen der Finanzprobleme ändern. Der Schiffsmarkt leidet seit langem an erheblichen Überkapazitäten. Glaubt man (Neo-) Liberalen Anhängern der Marktwirtschaft sollten sich genau diese Probleme von selbst lösen. Meist dadurch, dass sich weniger profitable Unternehmen aus dem Geschäftsfeld zurückziehen - oder einfach pleite gehen. Ich befürchte daher, die Rettung von Daewoo bedeutet nur, dass die Karten zwischen Hynundai, Samsung und Daewoo neu gemischt wurden. Nun wird die nächste Runde entscheiden wer Überkapazitäten abbaut oder ob ein anderer Pleite geht. Egal wie es ausgeht, es wird sicherlich Arbeitsplätze kosten. (Normalerweise trifft es die "echten" Arbeiter zuerst.)

Ich denke die Investition von € 2,4 Mrd war eine außerst fragwürdige. Vielleicht hätte man sich eingestehen sollen, dass der Weltmarkt eben keine drei Werft-Giganten braucht. Es gibt genug Schiffe, selbst wenn alle 50000 Daewoo-Beschäftigten blau machen. Die Wirtschaft der Welt ist so produktiv, dass nicht alle Menschen arbeiten müssen. (War es nicht das, was uns der technische Fortschritt immer versprochen hat? Das ist doch eine gute Nachricht, oder?) Außerdem, wage ich - ohne fundierte Belege - zu behaupten, dass die meisten Beschäftigten bei niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedinungen nicht viel verlieren würden. Wäre es für die Menschen (und die Umwelt) nicht besser die € 2,4 Mrd an 50000 Beschäftigten zu verteilen. Das wären immerhin € 48000 für jeden. Mit dem Werten die auf dem Werftgelände herumstehen hätte man sicher die Schulden begleichen können, vielleicht wäre sogar noch etwas übrig um Grund und Boden von Altlasten zu befreien. Am Ende gäbe zwar keine Werft mehr, dafür jede Menge Platz für neue Ideen.

Das Ende nach 2176 Tagen Uptime

7. Dez. 2016 (07:50) | gERD Schaufelberger

Server Racks

Nach einer Uptime von 2176 Tagen - also knapp 6 Jahren seit dem letzten Bootvorgang - dürfen die alten Server eines Kunden zum Jahresende in Rente gehen. Obwohl uns die Hardware immer noch treue Dienste leistet und von der Leistung immernoch ausreichend ist, sind die Server in die Jahre gekommen. Die ältestens Exemplare in diesem Rack sind über zehn Jahre alt! Naturlich wurde hin und wieder eine Fesplatte getauscht und auch der eine oder andere Server der Anfangzeit weilt nicht mehr unter uns. Aber im großen und Ganzen tun die Greise genügsam ihre Pflicht.

Die Ablösung in Form virtueller Maschinen wird gerade installiert und zeigt wie schnell die Entwicklung voranschreitet. Die neue ServerInfrastruktur ist viel schneller, hat mehr RAM und mehr Speicher als die alte und benötigt viel weniger Höheneinheiten (HE), Strom und Kühlung. Naturlich macht es viel Spaß auf den neuen Servern zu arbeiten, den selbst mein Laptop im Energiesparmodus ist inzwischen schneller als unsere alten High-End-Maschinen. Dennoch tut es mir leid, den Servern nach einer Uptime von 2176 Tagen den Saft abzudrehen.

Bohrinsel-Modell

6. Dez. 2016 (13:30) | gERD Schaufelberger

workOnBoard.jpg

Flexible Arbeitszeiten lautet das Stichwort, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Dabei profitieren auch die Arbeitgeber von Gleitzeit und Not-Nine-To-Five-Jobs. Leider, so finde ich, werden in Gehaltsverhandlungen die alternative Arbeitszeitmodelle dabei gerne vergessen oder unter den Tisch gekehrt. Schaut man ein wenig über den Tellerrand, bemerkt man, dass es viel mehr als "gewöhnliche" Voll- und Teilzeit-Stellen gibt.

Heute, bei einem Plausch mit unserem Nachbarn habe ich erfahren, dass seine Werkstatt kurz vor Weihnachten nur mit einer "Notmanschaft" besetzt ist, Dort hat man sich auf Motorroller spezialisiert. Also gibt es in den warmen Monaten mehr zu tun als im Winter. So feiern die Kollegen jetzt ihre Überstunden ab und arbeiten nur jede zweite Woche. Monteuren geht es oft ähnlich: sie müssen wochenlang ranklotzen und sammeln dabei soviele Überstunden an, dass sie nach Abschluss der Arbeiten ein viertel Jahr frei nehmen können. Wer auf See anheuert, beispielsweise als Koch auf einem Kreuzfahrtschiffs, ist oft wochenlang weit weg von zu Hause, bekommt aber zum Ausgleich lange Heimaturlaube. Oder wie wäre es mit einer Bohrinsel in der Nordsee? Die Crews arbeiten 16 Tage, 12 Stunden pro Tag und haben dann 24 Tage frei. Kost und Logie auf der Insel sind natürlich inklusive und die Bezahlung kann sich sehen lassen.

Auch in der Landwirtschaft gibt es nicht immer gleich viel und die gleiche Arbeit. Je nach Saison sind Spargelstecher oder Mähdrescherfahre gefragt. So durfte ich auf einer Reise zwei Brüder kennen lernen, die jedes Jahr mit der Apfelernte von einem Campingplatz zum anderen ziehen und daraus einen Arbeitsurlaub zu machen. Aber das, wie ich finde, schönste Beispiel für Saisonarbeit ist mir einer anderen Reise begegnet: Der Motorradfahrer erzählte uns, dass er ein Kiosk an einem Badesee besitzt. Dort arbeitet die Sommermonate. Im Winter ist er Skilehrer. Dazwischen bleibe genügend Zeit um mit dem Motorrad die Welt zu bereisen.

Natürlich ist dieses haben auch diese Arbeitszeitmodelle ihre "Probleme" wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Auf der anderen Seite finde ich das meiste davon ansprechender als Jahrelang von acht bis fünf im Büro zu sitzen und mich davor und danach durch den Berufsverkehr zu quälen.

Vier-Tage-Woche

19. Okt. 2016 (08:16) | gERD Schaufelberger

lazy-gerd.jpg

Ich weiss, wir müssen alle schauen, dass wir irgendwie über die Runden kommen und weniger zu arbeiten ist eigentlich keine Option. Auf der anderen Seite leiden wir darunter, dass wir ständig in Eile sind und die Kinder nur kurz vor dem ins-Bett-Gehen sehen. Wäre es nicht schön nur vier statt fünf Tage die Woche zu arbeiten? Ich weiß, dass dafür noch die einer oder ander Hürden zu nehmen ist und auch die meisten Arbeitgeber sind von solchen Ideen nicht gerade begeistert. Ich möchte die Vier-Tage-Woche (diesemal) allerdings nur von der finanziellen Seite des (Arbeitnehmers) betrachten.

Ein durchschnittlicher Vollzeit-Arbeitnehmer in Deutschland verdient brutto € 43000,- p.a., das sind 3612,- mtl. (alle Zahlen von 2015). Männer bekommen mehr (€ 45720,- p.a) Frauen weniger (€ 37932,- p.a.). In Sachsen sind es € 39400,- p.a., also € 3283,- mtl. Nach allen Abzügen für Sozialversicherungen und Steuern bleiben damit rund € 2050,- mtl netto. Dieser Betrag ist natürlich nicht exakt und kann im persönlichen Fall abweichen - er ist abhängig vom Zusatzbeitrag der Krankenkasse, von der Religion, Steuerklasse und den Freibeträgen (für Kinder) - soll an dieser Stelle aber als Beispiel dienen.

Um die Vier-Tage-Woche zu realisieren muss die Arbeitszeit - und damit der Brutto-Lohn - auf 80% heruntergeschraubt werden. Damit sind es nur nur € 31520,- p.a. und 2627,- mtl. brutto - das sind € 600,- weniger als bei Vollzeit! Das ist eine ganze Menge. Netto sieht das allerdings nicht mehr so schlimm aus, da bleiben noch € 1700,- übrig (mtl). Das sind also nur € 350,- weniger. Nun stellt sich natürlich die Frage: kann ich mit € 1700,- mtl leben und ist mir der freie Wochentag € 350,- wert?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber langweilig würde es mir mit einer Vier-Tage-Woche sicherlich nicht werden, im Gegenteil, ich habe soviele Ideen - meine Woche müsste sogar zehn freie Tage haben.

P.S. Man möge mir verzeihen, dass ich an dieser Stelle der Einfachheit halber einige Aspekte habe unter den Tisch fallen lassen. Beispielsweise wird mit geringern Brutto-Lohn auch der Rentenbeitrag und damit die zu erwartende staatlich Rente geringer. Auf der anderen Seite gibt es auch positive Aspekte für Saison-Arbeiter und Steuer-Sparer.

Versteck im Klohäuschen

20. Sep. 2016 (21:25) | gERD Schaufelberger

schloss-dixi.jpg

Die aktuelle Statistik "E-Commerce-Markt Deutschland 2016" von EHI und Statistika (ich liebe Statistik) untersucht die größten Onlinehändler und legt Zahlen für das vor, was wir insgeheim schon lange wussten. Insgesamt nimmt der Onlinhandel weiter zu, 2015 wurden Waren im Wert von € 24 Mrd online verkauft - ein Zuwachs von 13% gegenüber den € 21 Mrd von 2014. Gleichzeitig haben sich die großen drei aber noch breiter gemacht. Insgesamt hatten die ersten drei: Amazon mit € 7,8 Mrd, Otto mit € 2,3 Mrd und Zalando mit € Mrd 1,0 genausoviel Umsatz gemacht wie die Plätz 4 bis 100 zusammen. Auch hier gibt es also den Trend, dass die Großen immer größer und die kleinen immer unbedeutender werden.

Wo es früher unzählige Automobilhersteller gab, tummeln sich heute nur noch eine handvoll global Player. Gleiches gilt für Online-Shops, Fahrradhändler und Tante-Emma-Läden. Als kleines und mittelständiges Unternehmen ist es da fast unmöglich sich gegen die Platzhirsche zu behaupten. Von einer offenen Konfrontation ist auf jeden Fall abzuraten. Ich würde eher das Gegenteil empfehlen: ein gutes Versteck aufsuchen, sich dort verbarikadieren und gar nicht erst die Aufmerksam der Raubfische auf sich ziehen. Im Klartext bedeutet das dreierlei: Zum Ersten eine kleine aber feine Nische bedienen. (Ein Spezialwerkzeug, für das nur 1000 Firmen weltweit Verwendung haben.) Zum Zweiten Marktführer in diesem Segment zu werden. (Mein Spezialwerkzeug ist zwar das teuerste, hat aber die beste Qualität und ist das Referenzprodukt.) Schließlich sollte man jedem erzählen wie langweilig und spröde dieses Marktsegment ist und die Blütezeit schon längst vorbei ist. (Das Spezialwerkzeug ist nur mit enormen Aufwänden zu fertigen, der Markt ist gesättigt und der Verschleiß gering). Oder glauben Sie TOI TOI & Dixi sind so groß gerworden, weil die großen Baukonzerne sich so gerne um ihre Klohäuschen gekümmert haben.

Suche

Rubriken alle

Entwicklung

Unternehmen und Projekte

Geld und Freiheit

Aktuelle Artikel

Milliardenhilfe gegen Pleite 2. Apr. 2017 (14:16)

Das Ende nach 2176 Tagen Uptime 7. Dez. 2016 (07:50)

Bohrinsel-Modell 6. Dez. 2016 (13:30)

Vier-Tage-Woche 19. Okt. 2016 (08:16)

Versteck im Klohäuschen 20. Sep. 2016 (21:25)