Pech im Unglück

10. Okt. 2018 (16:38) | gERD Schaufelberger

RAID recovering

Seltene Ereignisse passieren zwar selten, aber sie passieren. Es ist nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit, quasi eine Rechnübung für Statistiker. Zu den seltenen Ereignissen gehört das Versagen von Speichermedien in einem Computer, genauer Festplatten in einem der Server die ich betreue. Gestern war es mal wieder soweit!

Die Herstellern geben als MTBF (Mean Time Between Failure - mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen) ihrer Festplatten gerne über 200 000 Stunden an. Ganz naiv gerechnet sind das über dreißig Jahre. Wenn man bedenkt, dass die Platte erst 2015 in Betrieb genommen wurde, ist sie sehr jung gestorben. Allerdings war meine Milchmädchenrechnung nicht ganz fair. Die Angabe der MTBF bezieht sich auf eine Temperatur von 25° und einer Betriebszeit von 2400 Stunden im Jahr. Da der Server rund um die Uhr läuft und im innern sicher um einiges wärmer ist, dürfen wir als MTBF nur ein zehntel erwarten. Außerdem ist die MTBF nur ein statistischer Wert. Er sagt nichts darüber aus, wenn die Festplatte tatsächlich ausfällt und noch weniger wann meine Festplatte kaputt geht. Wie es mit Mittelwerten so ist, sind die Vorhersagen sehr präzise, solange eine außreichend große Stichprobe herangezogen wird (beispielsweise 10 000 Festplatten). Aber egal was die Statistik sagt, der Praktiker sollte sich auf jeden Fall merken, die Festplatte wird auf jeden Fall kaputt gehen. Früher oder später (hoffentlich nicht zu früh).

Wie gesagt, war es gestern bei mir soweit und ich musste die Festplatte als "defekt" markieren. Da sie zu einem RAID-System (Redundante Festplatten) gehörte entstand außer den Hardwarekosten, einer kleinen Downtime und etwas Arbeitszeit kein weiterer Schaden. Am gleichen Tag wurde ich allerdings noch von einem zweiten Server überrascht. Auch er klagte über Festplattenfehler. Wie sich herausstellte war auch hier eine Festplatte defekt. Diesemal traf es eine Platte die rund zwei Jahre auf dem Buckel hat - statistisch gesehen etwas zu jung um über den Jordan zu gehen. (Im übrigen belief sich auch hier der Schaden auf die Hardwarekosten der Festplatte, ein wenig Downtime und die Arbeitszeit.)

Das waren zwei schicksalhafte Ereignisse an einem Tag! Ein Zeichen? Eine defekte Festplatte ist zwar ein seltenes Ereignis, kommt aber vor. Zwei defekte Festplatten am selben Tag kommen einem verdammt unwahrscheinlich vor. Um ein besseres Gefühl für die Wahrscheinlichkeiten zu bekommen, versuche ich mir die "anderen Fälle" vorzustellen: Wieviele Tage gibt es an denen keine Festplatte kaputt geht? Wieviele Tage gibt es, an denen eine Festplatte kaputt geht? Außerdem sind die beiden defekten Festplatten nicht meine einzigen - in meinem Dunstkreis (diverse Server, RAIDs, Backup, ...) gibt es über 20. An diesem Schicksalstag sind also immerhin 18 von 20 Festplatten heil geblieben. Bei einer MTBF von drei Jahren und 20 Festplatten, muss ich durschnittlich alle vier Monate mit einer defekten Festplatte rechnen. So gesehen erscheint es gar nicht so unwahrscheinlich, dass zwei Festplatten am gleichen Tag den Dienst quittieren. Dieses Ereignis war zwar Pech, aber eben auch kein großes Unglück.

P.S. Apropos rechnen: Damit meine ich auch buchalterisch. Also die Kosten für die neue Festplatte (€ 100,-), die Aufwände des Adminsitrators (4 h) und nicht zu vergessen die geschätzen Kosten der Downtime (Mitarbeiter können nicht arbeiten, Kundenanfragen können nicht beantwortet werden, der Webshop ist nicht erreichbar). Mit anderen Worten, das Unternehmen muss soviel Ertrag bringen, dass sie dreimal im Jahre mit der gesamten Belegschaft um 12:00 in der Kantine ein Festessen abhalten und den Tag mit edlem Wein ausklingen lassen. (Dumm ist nur, dass die Festplatte trotzdem getauscht werden muss.)

Politikerkarriere

29. Jan. 2018 (21:24) | gERD Schaufelberger

Bernhard Heinzlmaier

Neulich wurde ich aufgeforder, dass in die Politik gehen solle, wenn ich unser Land verändern wolle. Ich konnte darauf nicht antworten, da ich insgeheim wusste, es ist ebenso schwierig mit Politikern die Welt zu verbessern, wie mit Pyranhas ein saftiges Steak über den Fluss zu transportieren. Ich glaube ich muss nicht weiter ausführen, dass ich von Politikern nicht viel halte und mich diesbezüglich auch gerne zu Verallgemeinerungen hinreisen lasse. Eine Außnahme bilden natürlich die rechten Flügel: deren Angehörige sind meist besonders verachtenswert.

Bisher stieß ich mit solcherlei Außerungen allerdings immer auf beschwichtigende Worte, die unsere Berufspolitiker und Parteien in Schutz nahmen. Heute hatte ich aber das Glück das Interview mit Bernhard Heinzlmaier zu hören. Ich befand mich gerade auf dem Weg ins Büro, als diese durchaus deprimierende Worte über den Äther gingen. "Ich nenne sie [junge Politiker] immer früh gealterte Junge, das heißt Leute, die eigentlich diese gesamte Parteikultur aufgenommen haben, absorbiert haben, und eigentlich nichts anderes im Sinn haben, als innerhalb dieser Parteikultur Karriere zu machen. Zitat B. Heinzlmaier, Noch nie so angepasst (nachlesen / hören).

Also verzichten wird doch lieber auf Parteien und Poltiker. Lass die doch weiter ihr Theater spielen und wir packen die wirklichen Probleme an. Wir müssen nur wollen.

Verkürzung des Arbeitstages

8. Jan. 2018 (12:27) | gERD Schaufelberger

Zweck der Maschinerie

John Stuart Mill sagte in seinen "Grundsätzen der politischen Ökonomie": "Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens erleichter haben". Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck der kapitalistisch verwandten Maschinerie. Gleich jeder andren Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit soll sie Waren verwohlfeilen und den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter für sich selbst braucht, verkürzen, um den anderen Teil seines Arbeitstags, den er dem Kapitalisten umsonst gibt, zu verlängern. Sie ist Mittel zur Produktion von Mehrwert. [Zitat: Karl Marx, Das Kapital , Kapitel 13, Abschnitt 1]

Vielleicht sollte man die aktuellen Forderungen der IG-Metall in einem anderen Licht sehen. Für welchen Zweck sollen Menschen denn 35 oder 40 Stunden pro Woche arbeiten? Ich wage zu unterstellen, dass es den meisten besser gehen würde, wenn sie nur 20 Stunden für jedemand anders arbeiten müssten. Dann blieben immerhin noch 15 oder 20 Stunden die sie für sich selbst etwas tun könnten.

Verstärkung gesucht

21. Nov. 2017 (09:40) | gERD Schaufelberger

Audioverstärker

Ich suche Verstärkung für vielfältige Aufgaben im Bereich Web-Entwicklung. Wer Spaß an neuen Technologien, objektorientierter Programmierung und Softwarearchitektur hat und noch etwas von HTML5 versteht, kann sich hier austoben.

Voraussetzungen: Mensch (w/m) mit Spaß an Informatik, Netzwerktechnik und Web.

Arbeitszeit und Ruhezeit

12. Nov. 2017 (20:41) | gERD Schaufelberger

Achtstundentag-Festschrift

Heute ging es in den Nachrichten wieder einmal um die Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung forderte die Politik hingegen dazu auf, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. Der Vorsitzende des Gremiums, Schmidt, sagte der "Welt am Sonntag", in der digitalisierten Welt brauchten Unternehmen die Sicherheit, dass sie nicht gesetzeswidrig handelten, wenn ein Angestellter abends an einer Telefonkonferenz teilnehme und am nächsten Morgen beim Frühstück seine E-Mails lese. [Zitat Arbeitszeitdebatte über 8 Stunden Tag ]

Damit wir wissen wovon hier die Rede ist, für all diejenigen, die die genauen Gesetzestexte nicht parat haben (vor allem meine Wenigkeit), ein kleiner Auszug aus dem Arbeitszeitgesetz §3: Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. §5, Abschnitt 1: Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben.

Ich bin wahrlich kein Freund zu vieler Gesetze und denke auch, dass in unserem Land zu viel geregelt wird. Auf der anderen Seite sollten Gesetze nicht um der Vereinfachung Willen streichen. Daher frage ich mich, welchen Sinn das Arbeitszeitgesetz hat. Zunächste dienen sie dem Schutz des Arbeitnehmers. Dieser hat nämlich nichts auf dem Arbeitsmarkt zu verkaufen als seine Arbeitskraft. Er verkauft sie Scheibchenweise: Arbeitstag für Arbeitstag, sagen wir 40 Jahre lang. Damit diese verkaufte Arbeitszeit ihren Wert behält muss der Arbeiter am 50ten, 500ten und 5000ten Arbeitstag noch genauso frisch sein wie am ersten und 5ten. Damit sich der Arbeiter (physisch und psychisch) erholen kann werden maximale Arbeitszeiten und minimale Ruhezeiten vorgeschrieben. Wird die Arbeitszeit verdichtet, Pausen gestrichen und Ruhezeiten verkürzt, verkürzt sich auch die zu erwarteten Arbeitsfähigkeit von 40 auf sagen wir 20 Jahre. Oder Menschen scheiden bereits mit 35 mit Burn-Out-Syndrom aus dem Arbeitsleben aus.

Marktwirtschaftlich betrachtet müsste der Arbeitnehmer, der früher 40 Jahre lang € 30000,- pro Jahr verdient hat, mit der neuen Aussicht nur 20 Jahre lang arbeiten zu können, mindesten € 60000,- p.a. Lohn erhalten. Schließlich muss sich die harte Arbeit und die übergebührliche Verausgabung auszahlen - wer weiss denn, ob es die Gesundheit überhaupt erlaubt den Reaktor über Jahre auf 150% zu fahren. (Im übrigen sind diese Überlegungen nicht neu: 1867 veröffentlichte Karl Marx Das Kapital, siehe: Kapitel 8, der Arbeitstag ) Aber leider kann ich davon nichts entdecken, wenn Arbeitgebervertreter von Flexibilisierung der Arbeitszeit sprechen. Ich würde die Flexibilität auf beiden Seiten erwarten: Wenn also die Telefonkonferenz bis 20:00 dauert, dann sollte es auch selbstverständlich sein, dass am nächsten Tag der die Arbeit erst nach 12:00 beginnt. (Kernzeit hin oder her.)

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