Bohrinsel-Modell

6. Dez. 2016 (13:30) | gERD Schaufelberger

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Flexible Arbeitszeiten lautet das Stichwort, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Dabei profitieren auch die Arbeitgeber von Gleitzeit und Not-Nine-To-Five-Jobs. Leider, so finde ich, werden in Gehaltsverhandlungen die alternative Arbeitszeitmodelle dabei gerne vergessen oder unter den Tisch gekehrt. Schaut man ein wenig über den Tellerrand, bemerkt man, dass es viel mehr als "gewöhnliche" Voll- und Teilzeit-Stellen gibt.

Heute, bei einem Plausch mit unserem Nachbarn habe ich erfahren, dass seine Werkstatt kurz vor Weihnachten nur mit einer "Notmanschaft" besetzt ist, Dort hat man sich auf Motorroller spezialisiert. Also gibt es in den warmen Monaten mehr zu tun als im Winter. So feiern die Kollegen jetzt ihre Überstunden ab und arbeiten nur jede zweite Woche. Monteuren geht es oft ähnlich: sie müssen wochenlang ranklotzen und sammeln dabei soviele Überstunden an, dass sie nach Abschluss der Arbeiten ein viertel Jahr frei nehmen können. Wer auf See anheuert, beispielsweise als Koch auf einem Kreuzfahrtschiffs, ist oft wochenlang weit weg von zu Hause, bekommt aber zum Ausgleich lange Heimaturlaube. Oder wie wäre es mit einer Bohrinsel in der Nordsee? Die Crews arbeiten 16 Tage, 12 Stunden pro Tag und haben dann 24 Tage frei. Kost und Logie auf der Insel sind natürlich inklusive und die Bezahlung kann sich sehen lassen.

Auch in der Landwirtschaft gibt es nicht immer gleich viel und die gleiche Arbeit. Je nach Saison sind Spargelstecher oder Mähdrescherfahre gefragt. So durfte ich auf einer Reise zwei Brüder kennen lernen, die jedes Jahr mit der Apfelernte von einem Campingplatz zum anderen ziehen und daraus einen Arbeitsurlaub zu machen. Aber das, wie ich finde, schönste Beispiel für Saisonarbeit ist mir einer anderen Reise begegnet: Der Motorradfahrer erzählte uns, dass er ein Kiosk an einem Badesee besitzt. Dort arbeitet die Sommermonate. Im Winter ist er Skilehrer. Dazwischen bleibe genügend Zeit um mit dem Motorrad die Welt zu bereisen.

Natürlich ist dieses haben auch diese Arbeitszeitmodelle ihre "Probleme" wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Auf der anderen Seite finde ich das meiste davon ansprechender als Jahrelang von acht bis fünf im Büro zu sitzen und mich davor und danach durch den Berufsverkehr zu quälen.

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