An der Qualität gespart

gebrochenes Hoverboard - Titelbild

Seit ich den Vortrag über Moving Objects gehört habe, sind Hoverboards ein kleines Bastelprojekt in unserer Familie. Seither haben wir diverse defekte Hoverboard erstanden, zerlegt, umgebaut und manche davon auch wieder repariert. So auch dieses hier: ein Hoverboard 8,5-Zoll Rädern und dicken Reifen.

Schaut man unter die bunte Plastikhülle, finden sich bei allen Hoverboards die gleichen Komponenten. Die Elektronik ist gleich, die Beleuchtung, die Schalter, die Stecker und der mechanische Aufbau ist gleich. Da die Motoren in den Rädern verbaut sind, kann fast nicht von einer Mechanik sprechen. Im wesentlichen besteht diese aus zwei Alu-Guß-Schalen, deren Hauptaufgabe es ist die Räder stabil zu befestigen. Bei genauerem Hinsehen, können aber dennoch Unterschiede festgestellt werden. Wie es scheint, wurden die Einzelteile ständig weiter entwickelt - sicherlich um Produktionskosten zu sparen. So mutierte beispielsweise der Kühlkörper der Leistungselektronik von einem großflächigen (2mm starken) Alu-Blech zu einem Rahmen mit rund 50% weniger Aluminium. Weitere Änderungen kann man auf den Platinen ausmachen, da wurden hier und da Kondensatoren eingespart oder ganze Baugruppen ersetzt. Das sind sicherlich Einsparungen die sich im Centbereich bewegen, hochgerechnet auf große Stückzahlen, lohnt es sich aber einen Ingenieur dafür zu beschäftigen. Ärgerlich ist es allerdings, wenn Einsparungen mit einer Reduktion der Qualität erkauft werden.

Als meine 85 Kilo und ich neulich eine kleine Runde auf dem Hoverboard drehte, gab das Gerät unter mir plötzlich nach und stoppte: Das Rad war deutlich geknickt und streifte bereits am Kotflügel. Natürlich vermutete ich zuerst, dass wir die Schrauben nicht richtig befestigt oder sonst irgend etwas nicht richtig montiert hatten. Als wir das Hoverboard zerlegten, wurde klar, dass die Aluminuim-Schale einfach nicht stabil genug war. Ein klaffender Spalt zeigte wo die Halterung der Motorachse aus der Schale gerissen war. Das hatte ich nicht erwartet.

Ein Griff in die kaputte-Hoverboard-Sammlung förderte zum Glück noch ein paar Alu-Schalen in tadellosem Zustand hervor und ich machte mich daran das Defekte Teil auszutauschen. Dabei stellte ich fest, dass die Teile nicht exakt gleich waren. So war die defekte Achsverschraubung nur mit einem gebogenen Blech gesichert, die andere bestand aus einem rebusten Gußteil. Spaßeshalber verglich ich die beiden Alu-Schalen mit der Waage und auch hier zeigte sich ein Unterschied. Während die kaputte Schale 492g wog, brachte das Ersatzteil 100g mehr auf die Waage. Konnte es wirklich sein, dass hier mit dem Argument "das-wird-schon-halten" zwei mal 100g Aluminium eingespart wurden?

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5. Apr. 2020 (10:29) | gERD Schaufelberger

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