Mehrwertsteuer weniger und zurück

Mehrwertsteuersenkung

Am 3. Juni beschloss die Regierungskoalition das Zukunfts- und Konjunkurpaket im Umfang von von 130 Millionen Euro zur Belebung der Konjunktur und Abfederung der COVID19-Auswirkungen. Das ambitioniertes Programm beinhaltet unter anderem ein Kinderbonus und die tempöräre Absenkung der Mehrwertsteuer.

Der Kinderbonus wird einmalig € 300,- pro Kind betragen und an die Eltern ausgeschüttet. Dieses "Geschenk" wird von den Familien sicher gerne angenommen und vielfach für Dinge des täglichen Bedarf, Kleidung, Urlaub und Eisessen ausgegeben. Es ist daher anzunehem, dass dieses Geld direkt wieder in den Wirtschaftskreislauf fließt und somit die Wirtschaft belebt.

Ein andere großer Posten ist die temporäre (vom 1. Juli bis 31. Dezember) Herabsetzung der Mehrwertsteuer (MwSt) von 19% auf 16% beziehungsweise von 7% auf 5%. Die daraus resultierenden geringeren Preise sollen ebenfalls den Konsum anregen und damit wiederum die Konjunktur beleben. Weiter sei die reduzierte MwSt sozail gerecht, da die sie von allen gezahlt wird - so die Kanzlerin in der Pressekonferenz. Ich bezweifle die positiven Auswirkungen dieser Maßnahme.

Da wären zunächst die Aufwände, die durch die Umstellung der Steuersätze entstehen. Allein der bürokratische Aufwand ist enorm. Da müssen Steuersätze und Regeln zur Berechnung angepasst werden. Weiter sehen viele IT-gestützte Systeme sowas wie datumsabhängige Steuersätze gar nicht vor. Welcher Steuersatz gilt, wenn der Artikel im Juni gekauft und die Rechung im Juli erstellt wurde? Oder im September eine Reise für Februar gebucht und die Anzahlung bereits im Oktober fällig wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den nächsten zwölf Monaten viele Arbeitsstunden in den Unternehmen diesem Theme gewidmet sein werden. Diese Aufwendungen erzeugen natürlich Kosten, Kosten denen keine Leistung gegenüber steht.

Einen Teil dieser Aufwendungen wird sicherlich von Steuerkanzleien und Buchhaltungsbüros geleistet. Deren Auftragslage sollte also kurzfristig steigen. Ebenso könnten Systemhäuser und Anbiete von Unternehmensoftware profitieren. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt um in SAP-Aktien zu investieren. :-)

Laut Angaben von Spiegel ist die Senkung der MwSt der teuerste Posten des Konjunkturpaketes - und auch der umstrittenste. Auch ich bin der Meinung, dass dies keine Gute Idee ist. Zum einen verdampft ein großteil der Steuerersparnis an den Aufwänden für die zweifache Umstellung. Zum anderen glaube ich, dass einfachere und effizientere Möglichkeiten gibt die Kauflaune (Konjunktur) anzukurbeln. Beispielsweise könnte man die geplanten Steuersenkungsmilliarden stattdessen einfach an die Bürger des Landes auzahlen. Warum nicht den Kinderbonus von € 300,- auf € 600,- aufstocken? Ich könnte wetten, das Geld würde schnell ausgegeben werden und fließt damit zurück in den Wirtschaftkreislauf. Das würde ganz ohne bürokratischen Aufwand die Konjunktur beleben.

5. Jun. 2020 (08:35) | gERD Schaufelberger

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