Bescheuerte Wirtschaftsförderung

PKW auf Halde

Heute Morgen in einem Interview zum Autogipfel hat Andreas Scheuer weitere Fördermaßnahmen für die gebeutelte Automobilindustrie angekündigt. Es ist zu befürchten, dass es wahr wird. Das ganze Interview ist auf Deutschlandfunk nachzulesen und nachzuhören , hier ein kleiner Ausschnitt, der recht gut Zeigt um was es geht und wie argumentiert wird:

Andreas Scheuer: "... Jetzt bin ich kein Ingenieur, sondern Politiker und weiß, dass beispielsweise alle Produktionslinien der Elektrofahrzeuge jetzt schon verkauft sind, auch durch unsere Prämien. Es kann keine Produktion on top geben, sondern die Chargen sind schon verkauft. Nur beim Verbrenner, da stehen viele, viele moderne Fahrzeuge auf Halde, und die müssen vom Hof, damit neue nachproduziert werden. Das ist genau der Produktionszyklus. Ohne Produktion auch keine Arbeitsplätze. ..."

Autos müssen also verkauft werden, damit neue produziert werden, damit Arbeitsplätze erhalten werden. Das zeigt wie absurd unser Wirtschaftsystem funktionert. Eigentlich sollten Waren doch auf ein Bedürfnis hin produziert werden - Autos werden hergestellt, weil Autos gebraucht werden. Also haben Waren einen Gebrauchswert. Hier ist es anders herum: die Waren werden nicht gebraucht - die Autos werden auf Halde produziert - sie haben also keinen Gebrauchswert. Damit aber Arbeitsplätze erhalten bleiben, müssen die Waren verkauft werden, damit immer neue Waren auf Halde produziert werden können. Wie eine Welt mit derartigen Wirtschaftssystem aussehen könnte wird in Orwells 1984 und Klings Qualityland beschrieben. Während in Klings Welt Konsumroboter den sinnlos produzierten Schrott aufkaufen, beschreibt Orwell wie durch andauernde Kriege dafür gesorgt wird die Überproduktion zu vernichten.

Das dieses System nicht auf Dauer funktionieren kann sollte einleuchten. Schließlich könnte man genausogut für die Müllhalde produzieren - aber das würde wahrscheinlich jeder für bescheuert halten.

8. Sep. 2020 (09:10) | gERD Schaufelberger

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