Investment Forex und Crypto
Wie das so ist, hatte ich ein paar Jahre nachdem ich den ersten gut bezahlten Job angenommen hatte ein kleines aber ansehnliches finanzielles Polster angelegt. So konnte ich jeden Monat ein paar hundert Euro aufs Tagesgeldkonto überweisen und musste trotzdem nicht auf Konsum (Urlaub) verzichten. Zu dieser Zeit zeigte mir ein Freund die farbenfrohe Welt des Devisenmarkt: Forex .
Was dort passiert fand ich erstaunlich, denn anstatt auf steigende (oder fallende) Kurse zu setzten nutzt man einfach die Kursschwankungen aus: man kauft bei einem vermeindlich billigen Kurs ein, wartet bis sich der Kurs ein wenig in die Höhe „geschwankt“ hat und verkauft dann mit ein paar Cent Gewinn. Gehandelt wird am Devisenmarkt immer mit Währungspaaren, also z.B. Dollar gegen Euro (USD/EUR) (oder britische Pfund gegen japanische Yen). Das bedeutet man tauscht EUR gegen USD. Wenn der USD gegenüber dem EUR dann gestiegen ist tauscht man wieder zurück und hat dann mehr EUR als am Anfang - man will ja schließlich Geld verdienen. Weil aber die Kursschwankungen so klein sind, muss man mit einem Hebel arbeiten: Mit einer Sicherheit von 1 EUR leihe ich mir 100 EUR und tausche diese gegen USD für einen Kurs von EUR/USD 1.00. Steigt der Kurs auf 100,5 Cent, tausche ich wieder zurück und habe auf einmal EUR 100,50. Wie man sieht „verdient“ man bei einem Trade nur ein paar Cent, aber dank diverser Trading-Bots, kann man leicht viele Trades in am Tag oder in der Stunde machen. Dabei sind die Bots sehr flexibel und lassen sich durch eigene Programmierung und Regeln erweitern. Man kann beispielsweise einen Bot anweisen, dass er nicht gleich verkauft sondern den Kurs weiter steigen lässt und gleichzeitig bei einem Kurseinbruch die Notbremse zieht, so dass ein Trade der einmal in die Gewinnzone gerutscht ist nicht mehr verlieren kann und viel mehr Geld verdient als mit starren Regeln.
Umgekehrt ist es aber so, dass der Trade sofort augelöst wird, wenn der aktuelle Kursverlust die Sicherheit aufgeffressen hat. In unserem Beispiel wäre das der Fall, wenn der Kurs auf 0,99 Cent gefallen ist. Dann tauscht die Bank meine EUR/USD sofort zurück und streicht die Sicherheit ein. Außerdem gibt es noch eine kleine Gebühr - den Spread - das heißt das der Kurs beim Eintauschen immer höher ist als beim Zurücktauschen - damit verdient die Bank bei jedem Trade Geld. Der Spread ist zwar nur ein Bruchteil eines Cents, summiert sich aber, weil immer 100 oder 1000 EUR/USD (oder mehr) gehandelt werden. Der Spread bedeutet außerdem, dass man jeden Trade mit einem Minus startet - ich muss also immer darauf hoffen, dass sich der Kurs um mindestens den Spread verbessert um keine Verluste zu machen.
Mich hat das alles fasziniert und es hat sehr viel Spaß gemacht den Trades zu zusehen wie sie sich entwickeln: Manche liefen gut und haben Gewinne nach Hause gebracht und andere die hinterlegte Sicherheit angeknabbert. Außerdem war es geradezu eine Sucht die Trading-Bots zu optimieren oder gar eigene zu programmieren. Wie das immer so ist, lief es eine Zeitlang sehr gut und ich hatte mein Bots soweit, dass sie pro Trade nicht nur 10 Cent sondern oft viel mehr als 2 Euro verdienten. Oder eben 1 Euro Verlust machten. Irgendwann waren die Kurse nicht mehr so „berechenbar“ und mehr und mehr Trades mussten mit Verlust geschlossen werden. Am Ende gab ich mit mehrern tausend Euro Verlust auf und schloss mein Trading-Konto.
Viele Jahre später investierte ich wieder in Kursschwankungen - dieses Mal in Crypto-Währungen. Weil hier die Kursschwankungen tatsächlich so groß sind, muss man hier nicht mit Hebeln arbeiten um „Gewinne“ zu machen. Das hat den Vorteil, dass die Bank die verlustrreichen Trades schließt sobald die Sicherheit aufgebraucht ist. Das bedeutet, dass man, wenn die Crypto-Währung wertlos ist, man nicht mit nichts da steht - man hat dann immernoch einen Haufen wertloser Crypto-Coins im Wallet. Die kann man dann aufbewahren für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich der Kurs wieder erholt.
Um es kurz zu machen, hatte ich auch bei diesen Kurschwankungen eine ganz Weile Erfolge die Mut machten. An Ende allerdings vielen die Kurse aber so stark, dass meine Wallets nur noch einen Bruchteil der investierten Summe wert sind. Zu Gute halten möchte ich mir aber, dass ich aus der Forex-Vergangenheit gelernt und nur sehr wenig echtes Geld investiert habe - die Verluste tun dieses Mal also nicht weh. Zusammenfassend kann man sagen dass die Spekulation auf Kursschwankungen eine große Zockerei mit erheblichen Suchtpotential sind.
Suche
Aktuelle Artikel
| Mo | 6. Juli | Investment Forex und Crypto |
| Mi | 1. Juli | ETFs für faule Ignoranten |
| Do | 25. Juni | Drohnen-Start-Up |
| Mo | 22. Juni | Kostenloser ÖPNV ist schon nice |
| Fr | 19. Juni | Plattenbau-Betongold |
| Fr | 12. Juni | Mit Schiffen Geld versenkt |
| So | 7. Juni | Das Investment-Nähkästchen |