12. Jun. 2026 (07:34)

Mit Schiffen Geld versenkt

Vielleicht liegt es an meiner Begeisterung für Schiffe, vielleicht hatte ich einfach zu wenig Erfahrung oder ich habe mich schlicht von den Hochglanzprospekten blenden lassen. Wie man es auch dreht, im August 2008 habe ich € 15000,- in eine Schiffbeteiligung investiert und nur ein paar hundert Euro und eine Flasche Aquavit zurück bekommen.

Sich an einem Unternehmen zu beteiligen und so von den Gewinnen zu profitieren halte ich allederings nach wie vor für eine gute Idee. Mit Aktien, die an der Börse gehandelt werden, geht das ganz leicht: Hier kauft man Firmenanteile und je nach Aktie und Erfolg des Unternehmens wird eine Dividende ausgezahlt. Unterm Strich ist eine Schiffbeteiligung das Gleiche, mit ein paar wichtigen Unterschieden:

  • Es handelt sich um einen geschlossenen Fond. Das bedeutet, dass die Firmenanteile nicht an einer Börse gehandelt werden. Das macht einen Verkauf schwieriger und langwieriger bis unmöglich. Aber ich hatte ja nie vor, die Anteile wieder zu verkaufen.
  • Anstatt eine Aktie zu kaufen wird man Gesellschafter - genauer gesagt Kommanditist einer (in diesem Fall) GmbH & Co KG. Entsprechend gibt es ein Gewinnbeteiligung, wenn etwas ausgeschüttet wird. Das sollte - laut Prognosen - jährlich passieren. Durch die Beteiligung hat man ein gewisses Mittspracherecht, das Unternhemen wird aber anderen geführt - also irgendwie doch nicht.
  • Der Kauf der Anteile wird beim Notar vollzogen - die Gebühren müssen natürlich gezahlt werden.
  • Das Verkaufsprospekt ist auf hochwertigem Papier gedruckt.

Danach „gehörte“ mir ein kleiner Anteil verschiedener Versorgungsschiffe für Ölplattformen. Im ersten Jahr gab es erwartungsgemäß noch keinen operativen Gewinn, stattdessen erhielt ich zu Weihnachten einen teuren Aquavit im Präsentkarton. Die nächsten Geschäftsberichte waren zwar alle hübsch gestaltet und schön gebunden, inhaltlich aber enttäuschend. Insgesamt wurde nur zweimal eine Rendite von 5% ausgezahlt, ansonsten dümpelten die Schiffe so vor sich hin bis die Gesellschaft im Jahr 2021 liquidiert wurde - sprich pleite war. Das Geld war weg und Aquavit längst ausgesoffen.

Was ich aus dieser teuren Erfahrung gelernt habe sind vor allem drei Dinge: zum einen ist es sehr wichtig nicht nur auf die (möglichen) Gewinne sondern auch auf die Kosten zu schauen. Schließlich gehen die vom Gewinn ab werden indirekt von den Gesellschaftern (mir) bezahlt. Das gilt für die aufwendig gestalteten Geschäftsberichte genauso wie für den Aquavit. Aber auch für die Lohnkosten, Kosten für Instandhaltung und Finazierungkosten die natürlich den Löwenanteil ausmachen. Nicht zu vernachlässigen sind aber auch die Verwaltungskosten durch die Reederei und die Geschäftsführung - auch diese Aufwände wurden bezahlt bevor Gewinne ausgeschüttet werden. Weiter sind geschlossene Fonds mit dem zusätzlichen Risiko behaftet, dass sie nur sehr schwer verkauft werden können. Als drittes habe ich mir hinter die Ohren geschrieben, dass ich bei Hochglanzbrochüren besonders skeptisch werde. Meist bedeutet es nicht gutes, wenn viel Aufwand in die Vermarktung von Finanzprodukten gesteckt wird. Zum einen sind das wieder Kosten, die vom Gewinn abgehen, zum anderen bedeutet das meist eine schlechte Rendite und hohes Risiko.

Dieses Investment muss also als Totalverlust bezeichnet werden - außer dem Aquavit gab es hier nicht mit vielen Prozenten. Im Nachhinein wäre es viel schlauer gewesen das angesparte Geld auf dem Tagesgeldkonto zu lassen anstatt das Geld in einem geschlossenen Fond zu versenken.

gERD Schaufelberger

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