Silbermünzen - das Gold für Arme
Im Herbst 2015 habe ich ein paar Silbermünzen gekauft und mich nicht mehr darum gekümmert. Zehn Jahre später musste ich feststellen, dass dies eines meiner besten Investments ist. Aber der Reihe nach:
Die Idee Gold als Geldanlage zu nutzen ist weder neu noch von mir. Viele nutzen Gold um ihr Vermögen vor der Inflation zu schützen und gerade in Krisenzeiten fliehen einige Anleger von der heimischen Währung (der sie nicht mehr trauen) in Gold. Der steigende Goldpreis (vor allem seit dem Ende das Bretton-Woods-Systems ) gibt dem recht und geht sogar deutlich über die Inflationsrate hinaus. In Gold zu investieren hat sich also bisher gelohnt. Der Preis für eine Feinunze Gold betrug im Januar 2016 € 1000,14 (Silber € 12,93), im Dezember 2025 muss man € 3662,35 für 1oz Gold bezahlen (Silber € 52,77).
Das „Problem“ mit dem Gold ist aber der hohe Preis, der natürlich gerade für Kleinanleger - meine Wenigkeit - abschreckend ist. € 1000,- für 1oz Gold auf den Tisch zu legen ist schon ein ganz schöner Batzen. Viel angehmer ist es doch, mit einem monatlichen Sparplan von € 50,- oder € 100,- anzufangen - das tut nicht weh und läuft nebenbei mit. Will man aber physisches Gold kaufen - also Barren oder Münzen - gibt es immer einen Mengenrabatt. Logisch, denn die Herstellung eines kleinen 1g Goldbarren ist genauso aufwendig wie die eines großen 1kg Barrens. Bei Münzen kommt zudem noch der Aufpreis für die Prägung dazu. Als Anleger muss man sich also entscheiden viel Geld für „günstige“ große Barren auszugeben oder wenig Geld für „teure“ kleine Münzen.
Aber, es gibt auch vom Gold abgeleitete Produkte. Diese „lösen“ viele dieser Problem und haben noch einen weiteren Vorteil: man kann Gold kaufen, ohne die Barren zu Hause unter dem Kopfkissen stapeln zu müssen. Nur kauft man statt echtem Gold beispielsweise ein Zertifikat . Das ist wiederum ist „nur“ eine Schuldverschreibung, sprich der Emittend (die Bank) schuldet einem - angelehnt an den Kurswert des Goldes - Geld. Das ist praktisch, weil sich Zertifikate leichter handeln lassen als Goldbarren, verfehlt aber das Ziel der Krisensicherheit: Geht der Emittend pleite, ist das Zertifikat wertlos, der Goldbarren liegt immer noch unter dem Kopfkissen.
Gerade die Krisensicherheit von Gold empfand ich aber besonders attraktiv: Wenn das System zusammenbricht , Bankkarten nicht mehr funktionieren und niemand mehr Euros oder Dollars haben will, hat Gold wahrscheinlich immer noch seinen Wert. Dann sind kleine Münzen natürlich viel praktischer als große Barren und Silber praktischer als Gold: So kann man mit einer 1oz Silbermünze wahrscheinlich ein Mittagessen im Restaurant bezahlen. Mit einer 1oz Goldmünze, die (zur Zeit) rund 75mal so viel wert ist, wird das aber kompliziert. Mit diesen Überlegungen begann ich mich für Silbermünzen zu interessieren.
Zu dieser Zeit erreichten uns ständig Hiobsbotschaften aus Griechenland : das hochverschuldete Land limitierte Überweisungen ins Ausland und das Abheben von Bargeld. Während die Griechen zu extremen Einsparungen gezwungen wurden, befürchtete der Rest der Eurozone mit in die Schuldekrise gezogen zu werden - zumal die anderen Länder auch mit Schulden und Problemen in der Wirtschaft zu kämpfen hatten.
Also legte ich mir meinen eigenen kurzfristigen Sparplan zurecht: Ich entschied mich dafür Anlagemünzen zu kaufen, genauer gesagt die canadische Maple Leaf - eine weltweit bekannte und günstigste Münze. Also ging ich hin und wieder nach der Arbeit beim lokalen Münzhändler vorbei und kaufte ein paar Maple Leaf. Dabei musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige war. Offensichtlich gibt es in unserer Stadt einige Menschen, die keine Sammlermünzen sondern Anlagemünzen und Barren kaufen - und das in größeren Mengen! Ich - als Kleinanlager - begnügte mich mir der absoluten Standardmünze: 1oz Silber für unter € 20,- pro Stück. Viele habe ich davon nicht gekauft, aber genug um damit ein paar warme Mahlzeiten zu finanzieren, wenn es sein muss.
Viele Freunde, denen ich damals davon erzählt habe, haben mich belächelt und hielten mich für wenigsten ein kleines bisschen paranoid. Heute würden sie das vielleicht immer noch tun. Denn ganz ehrlich gesagt liegen die Münzen einfach nur herum, sind schwer und nehmen Platz weg. Der Euro ist immer noch eine harte Währung und überall kann man bargeldlos bezahlen.
Betrachtet man die Silbermünzen aber als Investment, sind sie seit dem Kauf stark gestiegen. Eine Münze, die ich vor zehn Jahren für € 20,- gekauft habe, kann ich heute für € 55,- verkaufen. (Will man eine Münze kaufen, muss man € 63,- ausgeben.) Das entspricht einer jählichen Verzinsung von gut 10%. Das ist viel besser als das Tagesgeldkonto, das Festegeld (bei einer Bank) oder irgendeine Kapitallebensversicherung (kapitalgedeckte Rentenversicherung). Es ist sogar ein wenig besser als der MSCI-World Index (9,5%) und damit ist es eines meiner besten Investments, die ich je getätigt habe. Das dumme daran ist nur, dass mir das bei der handvoll Münzen in meinem Besitz auch nur ein paar hundert Euro einbringt :-)
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