Politikerkarriere

29. Jan. 2018 (21:24) | gERD Schaufelberger

Bernhard Heinzlmaier

Neulich wurde ich aufgeforder, dass in die Politik gehen solle, wenn ich unser Land verändern wolle. Ich konnte darauf nicht antworten, da ich insgeheim wusste, es ist ebenso schwierig mit Politikern die Welt zu verbessern, wie mit Pyranhas ein saftiges Steak über den Fluss zu transportieren. Ich glaube ich muss nicht weiter ausführen, dass ich von Politikern nicht viel halte und mich diesbezüglich auch gerne zu Verallgemeinerungen hinreisen lasse. Eine Außnahme bilden natürlich die rechten Flügel: deren Angehörige sind meist besonders verachtenswert.

Bisher stieß ich mit solcherlei Außerungen allerdings immer auf beschwichtigende Worte, die unsere Berufspolitiker und Parteien in Schutz nahmen. Heute hatte ich aber das Glück das Interview mit Bernhard Heinzlmaier zu hören. Ich befand mich gerade auf dem Weg ins Büro, als diese durchaus deprimierende Worte über den Äther gingen. "Ich nenne sie [junge Politiker] immer früh gealterte Junge, das heißt Leute, die eigentlich diese gesamte Parteikultur aufgenommen haben, absorbiert haben, und eigentlich nichts anderes im Sinn haben, als innerhalb dieser Parteikultur Karriere zu machen. Zitat B. Heinzlmaier, Noch nie so angepasst (nachlesen / hören).

Also verzichten wird doch lieber auf Parteien und Poltiker. Lass die doch weiter ihr Theater spielen und wir packen die wirklichen Probleme an. Wir müssen nur wollen.

Verkürzung des Arbeitstages

8. Jan. 2018 (12:27) | gERD Schaufelberger

Zweck der Maschinerie

John Stuart Mill sagte in seinen "Grundsätzen der politischen Ökonomie": "Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens erleichter haben". Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck der kapitalistisch verwandten Maschinerie. Gleich jeder andren Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit soll sie Waren verwohlfeilen und den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter für sich selbst braucht, verkürzen, um den anderen Teil seines Arbeitstags, den er dem Kapitalisten umsonst gibt, zu verlängern. Sie ist Mittel zur Produktion von Mehrwert. [Zitat: Karl Marx, Das Kapital , Kapitel 13, Abschnitt 1]

Vielleicht sollte man die aktuellen Forderungen der IG-Metall in einem anderen Licht sehen. Für welchen Zweck sollen Menschen denn 35 oder 40 Stunden pro Woche arbeiten? Ich wage zu unterstellen, dass es den meisten besser gehen würde, wenn sie nur 20 Stunden für jedemand anders arbeiten müssten. Dann blieben immerhin noch 15 oder 20 Stunden die sie für sich selbst etwas tun könnten.

Arbeitszeit und Ruhezeit

12. Nov. 2017 (20:41) | gERD Schaufelberger

Achtstundentag-Festschrift

Heute ging es in den Nachrichten wieder einmal um die Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung forderte die Politik hingegen dazu auf, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. Der Vorsitzende des Gremiums, Schmidt, sagte der "Welt am Sonntag", in der digitalisierten Welt brauchten Unternehmen die Sicherheit, dass sie nicht gesetzeswidrig handelten, wenn ein Angestellter abends an einer Telefonkonferenz teilnehme und am nächsten Morgen beim Frühstück seine E-Mails lese. [Zitat Arbeitszeitdebatte über 8 Stunden Tag ]

Damit wir wissen wovon hier die Rede ist, für all diejenigen, die die genauen Gesetzestexte nicht parat haben (vor allem meine Wenigkeit), ein kleiner Auszug aus dem Arbeitszeitgesetz §3: Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. §5, Abschnitt 1: Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben.

Ich bin wahrlich kein Freund zu vieler Gesetze und denke auch, dass in unserem Land zu viel geregelt wird. Auf der anderen Seite sollten Gesetze nicht um der Vereinfachung Willen streichen. Daher frage ich mich, welchen Sinn das Arbeitszeitgesetz hat. Zunächste dienen sie dem Schutz des Arbeitnehmers. Dieser hat nämlich nichts auf dem Arbeitsmarkt zu verkaufen als seine Arbeitskraft. Er verkauft sie Scheibchenweise: Arbeitstag für Arbeitstag, sagen wir 40 Jahre lang. Damit diese verkaufte Arbeitszeit ihren Wert behält muss der Arbeiter am 50ten, 500ten und 5000ten Arbeitstag noch genauso frisch sein wie am ersten und 5ten. Damit sich der Arbeiter (physisch und psychisch) erholen kann werden maximale Arbeitszeiten und minimale Ruhezeiten vorgeschrieben. Wird die Arbeitszeit verdichtet, Pausen gestrichen und Ruhezeiten verkürzt, verkürzt sich auch die zu erwarteten Arbeitsfähigkeit von 40 auf sagen wir 20 Jahre. Oder Menschen scheiden bereits mit 35 mit Burn-Out-Syndrom aus dem Arbeitsleben aus.

Marktwirtschaftlich betrachtet müsste der Arbeitnehmer, der früher 40 Jahre lang € 30000,- pro Jahr verdient hat, mit der neuen Aussicht nur 20 Jahre lang arbeiten zu können, mindesten € 60000,- p.a. Lohn erhalten. Schließlich muss sich die harte Arbeit und die übergebührliche Verausgabung auszahlen - wer weiss denn, ob es die Gesundheit überhaupt erlaubt den Reaktor über Jahre auf 150% zu fahren. (Im übrigen sind diese Überlegungen nicht neu: 1867 veröffentlichte Karl Marx Das Kapital, siehe: Kapitel 8, der Arbeitstag ) Aber leider kann ich davon nichts entdecken, wenn Arbeitgebervertreter von Flexibilisierung der Arbeitszeit sprechen. Ich würde die Flexibilität auf beiden Seiten erwarten: Wenn also die Telefonkonferenz bis 20:00 dauert, dann sollte es auch selbstverständlich sein, dass am nächsten Tag der die Arbeit erst nach 12:00 beginnt. (Kernzeit hin oder her.)

8 Stundentag Banner Achtstundentag-Festschrift (2) labor-day

Milliardenhilfe gegen Pleite

2. Apr. 2017 (14:16) | gERD Schaufelberger

DSME Werft

Die Daewoo Werft gehört (mit Hyundai Heavy Industries und Samsung Heavy Industries) zu den größten Unternehmen in der Branche. Dennoch steht dieser Riese nicht auf sicheren Beinen. Zum wiederholten Male steht Daewoo vor großen Liquiditätsproblemen. Diesmal konnte die Pleite nur durch eine weitere Finanzspritze in Höhe von (umgerechnet) € 2,4 Mrd abgewendet werden. Ohne das Geld wäre Daewoo wohl bereits im April nicht mehr in der Lage gewesen Kredite zurückzuzahlen und somit Insolvent.

Das ist ja gerade nochmal gut gegangen, könnte man meinen. Schließlich beschäftigt Daewoo 50000 Menschen und bei einer Pleite wären auch rund 1300 Zulieferer in Bedrängnis gekommen. Aber bei all dem Unglück das eine Pleite verursachen würde, hat die Rettung doch einen bitteren Beigeschmack, wie ich finde. So wir das neue Geld sicher nichts an den Ursachen der Finanzprobleme ändern. Der Schiffsmarkt leidet seit langem an erheblichen Überkapazitäten . Glaubt man (Neo-) Liberalen Anhängern der Marktwirtschaft sollten sich genau diese Probleme von selbst lösen. Meist dadurch, dass sich weniger profitable Unternehmen aus dem Geschäftsfeld zurückziehen - oder einfach pleite gehen. Ich befürchte daher, die Rettung von Daewoo bedeutet nur, dass die Karten zwischen Hynundai, Samsung und Daewoo neu gemischt wurden. Nun wird die nächste Runde entscheiden wer Überkapazitäten abbaut oder ob ein anderer Pleite geht. Egal wie es ausgeht, es wird sicherlich Arbeitsplätze kosten. (Normalerweise trifft es die "echten" Arbeiter zuerst.)

Ich denke die Investition von € 2,4 Mrd war eine außerst fragwürdige. Vielleicht hätte man sich eingestehen sollen, dass der Weltmarkt eben keine drei Werft-Giganten braucht. Es gibt genug Schiffe, selbst wenn alle 50000 Daewoo-Beschäftigten blau machen. Die Wirtschaft der Welt ist so produktiv, dass nicht alle Menschen arbeiten müssen. (War es nicht das, was uns der technische Fortschritt immer versprochen hat? Das ist doch eine gute Nachricht, oder?) Außerdem, wage ich - ohne fundierte Belege - zu behaupten, dass die meisten Beschäftigten bei niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedinungen nicht viel verlieren würden. Wäre es für die Menschen (und die Umwelt) nicht besser die € 2,4 Mrd an 50000 Beschäftigten zu verteilen. Das wären immerhin € 48000 für jeden. Mit dem Werten die auf dem Werftgelände herumstehen hätte man sicher die Schulden begleichen können, vielleicht wäre sogar noch etwas übrig um Grund und Boden von Altlasten zu befreien. Am Ende gäbe zwar keine Werft mehr, dafür jede Menge Platz für neue Ideen.

Bohrinsel-Modell

6. Dez. 2016 (13:30) | gERD Schaufelberger

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Flexible Arbeitszeiten lautet das Stichwort, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Dabei profitieren auch die Arbeitgeber von Gleitzeit und Not-Nine-To-Five-Jobs. Leider, so finde ich, werden in Gehaltsverhandlungen die alternative Arbeitszeitmodelle dabei gerne vergessen oder unter den Tisch gekehrt. Schaut man ein wenig über den Tellerrand, bemerkt man, dass es viel mehr als "gewöhnliche" Voll- und Teilzeit-Stellen gibt.

Heute, bei einem Plausch mit unserem Nachbarn habe ich erfahren, dass seine Werkstatt kurz vor Weihnachten nur mit einer "Notmanschaft" besetzt ist, Dort hat man sich auf Motorroller spezialisiert. Also gibt es in den warmen Monaten mehr zu tun als im Winter. So feiern die Kollegen jetzt ihre Überstunden ab und arbeiten nur jede zweite Woche. Monteuren geht es oft ähnlich: sie müssen wochenlang ranklotzen und sammeln dabei soviele Überstunden an, dass sie nach Abschluss der Arbeiten ein viertel Jahr frei nehmen können. Wer auf See anheuert, beispielsweise als Koch auf einem Kreuzfahrtschiffs, ist oft wochenlang weit weg von zu Hause, bekommt aber zum Ausgleich lange Heimaturlaube. Oder wie wäre es mit einer Bohrinsel in der Nordsee? Die Crews arbeiten 16 Tage, 12 Stunden pro Tag und haben dann 24 Tage frei. Kost und Logie auf der Insel sind natürlich inklusive und die Bezahlung kann sich sehen lassen.

Auch in der Landwirtschaft gibt es nicht immer gleich viel und die gleiche Arbeit. Je nach Saison sind Spargelstecher oder Mähdrescherfahre gefragt. So durfte ich auf einer Reise zwei Brüder kennen lernen, die jedes Jahr mit der Apfelernte von einem Campingplatz zum anderen ziehen und daraus einen Arbeitsurlaub zu machen. Aber das, wie ich finde, schönste Beispiel für Saisonarbeit ist mir einer anderen Reise begegnet: Der Motorradfahrer erzählte uns, dass er ein Kiosk an einem Badesee besitzt. Dort arbeitet die Sommermonate. Im Winter ist er Skilehrer. Dazwischen bleibe genügend Zeit um mit dem Motorrad die Welt zu bereisen.

Natürlich ist dieses haben auch diese Arbeitszeitmodelle ihre "Probleme" wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Auf der anderen Seite finde ich das meiste davon ansprechender als Jahrelang von acht bis fünf im Büro zu sitzen und mich davor und danach durch den Berufsverkehr zu quälen.

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